Neuenkirch

Flugaufnahme Neuenkirch 

 

Das Dorf Neuenkirch - Entstehung und Geschichte

 

Die Entstehung des Dorfes Neuenkirch geht in die Zeiten der Völkerwanderungen (4. Jahrhundert) zurück. Der germanische Volksstamm der Alemannen, der damals die römische Schweiz überflutete, nahm das Land in Besitz, das bisher die keltischen Helvetier bewohnt hatten. Die Alemannen lebten auf Einzelhöfen, da sie sich nur in Sippen niederliessen. Sie hatten keine eigene Schrift, und so gibt es aus den ersten alemannischen Jahrhunderten keine Zeitzeugnisse. Erstmals erfahren wir aus einem Schutz- und Bestätigungsbrief von Kaiser Friedrich I. aus dem Jahre 1173 von den Hofnamen Adelwil, Gottsmänigen, Lippenrüti, Härdmänigen, Helfenstegen, Rippertschwand, Sibeboldingen (Sibenlingen), Voglisberg und Werligen. Diese Höfe sind somit älter als das Dorf Neuenkirch.


Im Mittelalter gehörte das ganze Gebiet zur Pfarrei Sursee. 1036 baute diese eine "obere Kirche" (in Oberkirch), und wahrscheinlich kurz vor 1200 die erste "nûwe Kirche", die 1256 als "nova Ecclesia" und schliesslich 1282 erstmals als "Nûwenkilch" in einer Urkunde erwähnt wird. In diesem Jahr gründeten die Edlen von Küssnacht, zu deren Herrschaftsgebiet Neuenkirch gehörte, ein Augustinerinnenkloster. Dieses brannte 1575 nieder, mitsamt dem zu einem Messgewand umgearbeiteten Waffenrock Herzog Leopolds, gefallen bei Sempach. Im Kloster war offenbar damit auch jeder Elan zum Wiederaufbau gebrochen, denn 1588 wurde das Kloster aufgehoben; die verbliebenen Schwestern zogen ins Kloster Rathausen.


1765 wurde die heutige Kirche erbaut, vermutlich am Ort des abgebrannten Klosters. 1939 baute man sie um, vergrösserte sie und gab ihr das heutige Aussehen. Damals wurde auch der Friedhof von der Kirche weg an den heutigen Standort verlegt.


1632 wird erstmals ein Schulmeister erwähnt. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Geistlichen, der eine Pfarreischule führte. Erst 1804 entstand im Rahmen der Säkularisierung nach dem Einmarsch Napoleons, als die heutigen Gemeinden gebildet wurden, eine staatliche Schule. 1841 wurde das erste richtige Schulhaus in der Kirchmatt gebaut. Dieses stand an der Stelle des heutigen Pfarreigebäudes "Conventus" es wurde 2000 abgebrochen.


Als nach der Invasion Napoleons 1798 die Alte Eidgenossenschaft und mit ihr das Patrizierregiment in Luzern untergingen, schlug die Geburtsstunde der Demokratie und der Gemeinden. Erster Gemeindepräsident der neu gebildeten Gemeinde Neuenkirch wurde 1809 der später als Heiler und Diener Gottes bekannt gewordene Niklaus Wolf von Rippertschwand, der als politisch interessierter Kopf bereits vorher eidgenössischer Delegierter der Helvetik in Aarau gewesen war. Zuvor liess er sich 1803 auch in den ersten Grossen Rat von Luzern wählen. Als er aber feststellte, dass seine Ideen der Staatsführung unter der Leitung der Kirche nicht mehrheitsfähig waren, trat er nach nur 1½  Jahren Amtszeit aus dem Grossen Rat desillusioniert zurück. Trotzdem liess er sich auf Drängen seiner Mitbürger 1809 zum ersten Gemeindepräsidenten von Neuenkirch wählen, doch auch hier hielt er es nur gerade 2 Jahre aus.  Er starb 1832 an einem Schlaganfall auf einer Heilungsreise im Kloster St. Urban und wurde zur Beerdigung nach Neuenkirch gebracht. Seine sterblichen Überreste wurden 1952 in die neu gebaute Unterkirche überführt.

 



Weitere Eckdaten aus den letzten 200 Jahren der Gemeinde Neuenkirch:


1804  Erste kantonale Briefablage in Neuenkirch
1832  Erste kantonale Briefablage in Hellbühl
1859  erstes Armenhaus in Oberwerligen eröffnet
1872  Eröffnung des Postbüros in Neuenkirch
1887  Bau des Bürgerheims Lippenrüti
1890  Eröffnung des Postbüros in Hellbühl
1896  Erster Telefonanschluss in Neuenkirch
1901  Pferdepost Neuenkirch – Station, mit 4 Fahrten täglich
1926  Postautokurs Neuenkirch – Sempach Station
1948  Postautokurs Neuenkirch – Emmenbrücke
1955  Bau des Gemeindehauses und der Turnhalle Gärtnerweg
1963  Bau des Schulhauses Sonneweid I
1971  Abstimmung über das Frauenstimmrecht
          (Gemeindeergebnis 274 Ja : 283 Nein)
1977  Bau Oberstufenzentrum Sonneweid II
1979  Bau des Pfarreiheims
1996  Bau des Schulhauses Grünau; Erweiterung 2000
2003  Fusion der Feuerwehren Hellbühl und Neuenkirch
2005  Bau der Dreifachsporthalle Grünau
2013  Neubau Aufhebung SBB-Niveauübergang Sempach Station


Der Ortsteil Neuenkirch zählt am 31. Dezember 2016 4'494 Einwohner. Zusammen mit den Dörfern Hellbühl und Sempach Station zählt die Gemeinde Neuenkirch total 6'885 Einwohner. 

 

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